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Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ)
Band 50, Heft 1-2: Glaube - Aberglaube -Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit Ethnographisch-Archäologische Zeitschrift (EAZ) Band 50, Heft 1-2: Glaube - Aberglaube -Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit
Autor: Hrsg von J. Callmer und R. Struwe | Erscheinungsjahr: 2009
22 Beiträge zum Stand der Forschung, 354 S.., zahlr. Abb. in SW
Inhalt:
Konferenz am Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin vom 28.–30. November 2008: F. Biermann Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen. Ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive - B. Volk „Volksaberglaube“ und Tod. Ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive - K. Schade Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen in der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt - K. Lussi Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 - A. Herrmann-Pfandt Das Menschenopfer: Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens - I. Beilke-Voigt Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick - S. Eisenbeiss Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? - S. Brather Tod und Bestattungen im frühen Mittelalter. Repräsentation, Vorstellungswelten und Variabilität am Beispiel merowingerzeitlicher Reihengräberfelder - A. Pollex Sonderbestattungen im nordwestlichen slawischen Raum - A. Mainka-Mehling Hinweise auf frühmittelalterlichen „Aberglauben“? Kritik am Beispiel der Altstücke im Grab - I. Stefan Frühmittelalterliche Sonderbestattungen in Böhmen und Mähren. Archäologie der Randgruppen? - C. Matthes Begraben am Bach bei Zeicha: Eine frühneuzeitliche Gefäßdeponierung in Sachsen als Indikator volksmedizinischer Rituale - B. Wittkopp Der Dominikanerfriedhof in Strausberg. Sonderbestattungen, Sicheln und ihre Interpretation - B. Jungklaus Sonderbestattungen vom 10.–15 Jh. in Brandenburg aus anthropologischer Sicht - T. Gärtner Heidnisch oder christlich? Über Deponierungen von Gefäßen in frühmittelalterlichen Gräbern West- und Süddeutschlands - T. Schürmann Schmatzende Tote und ihre Bekämpfung in der frühen Neuzeit - N. Kuzmin Teilbestattungen der Frühhunnenzeit im Minusinsker Becken. Fakten und Interpretation - J. Lippok & S. Müller-Pfeifruck „Die Krone habt ihr mir bereitet.“ Totenkronen als Gegenstand interdisziplinärer Forschungen - S. Ulrich-Bochsler Totgeboren, wiederbelebt und getauft: Vom „enfant sans âme“ zum „enfant du ciel“. Die mittelalterlichen Totgeburten von Oberbüren - A. Ströbl & D. Vick Hopfenbett und Hexenkraut. Oder: Wie christlich ist Aberglaube? - M. Genesis: Bestattung in ungeweihter Erde – Opfer des mittelalterlichen Strafvollzugs. Eine archäologisch-historische Betrachtung - N. Fischer Der nasse Tod. Sturmflutkatastrophen, Glauben und Mentalität an der deutschen Nordseeküste (16.–19. Jh.)### Zusammenfassungen ### Sonderbestattungen, besondere Beigaben, Anti-Vampirismus-Maßnahmen – ein Problemaufriss aus archäologischer Perspektive von Felix Biermann (Berlin): Der Aufsatz leitet die Beiträge zur Tagung „Glaube, Aberglaube, Tod. Vom Umgang mit dem Tod von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit“ ein, indem die Problematik von Sonderbestattungen, besonderen Beigaben und Anti-Vampirismus-Maßnahmen anhand von Beispielen des Mittelalters und der Neuzeit vorwiegend aus Ostdeutschland umrissen wird.### „Volksaberglaube“ und Tod und ihre Erforschung aus heutiger ethnologischer Perspektive von Bettina Volk (Kassel): In der Ethnologie des Todes spielen auch Phänomene eine große Rolle, die im allgemeinen Sprachgebrauch und in anderen Disziplinen unter dem Oberbegriff Aberglaube und Volksglaube zusammengefasst werden. Der nachfolgenden Artikel gibt einen Überblick über die ethnologische Forschung zum Thema Tod, insbesondere für die Region Ostindonesien, und zeigt diesbezüglich auf, warum diese Begriffe in der Ethnologie nicht verwendet werden. ### Hadesfahrten. Jenseitsvorstellungen der griechisch-römischen Antike in Text, Bild und Objekt1 von Kathrin Schade (Berlin): Die griechisch-römische Antike hat vielfältige Vorstellungen von einem Dasein nach dem Tod hervorgebracht. In enger Analogie zum Diesseits konnten die Jenseitsideen schrecklich, tröstlich oder resignierend ausfallen, konnten Gerechtigkeitsutopien oder den Wunsch nach ewiger Glückseligkeit transportieren. Ein geschlossenes, Ausschließlichkeit beanspruchendes theologisches Konzept gab es nicht. Die Vielzahl der Informationen gewinnen wir heute aus sehr unterschiedlichen Quellen: aus literarischen, philosophischen oder epigraphischen Texten, von Bildern auf Grabmonumenten und profanen Gegenständen, von Artefakten im Kontext der Bestattungsriten. Unter Berücksichtigung der verschiedenen medialen Funktionen, der disparaten Aussageabsichten und Zwecke der Quellen wird in diesem Beitrag versucht, ein – freilich knappes und lückenhaftes – kulturgeschichtliches Bild der antiken Jenseitsvorstellungen zu skizzieren und diese anhand von Objekten der Bestattungsbräuche fest zu machen. ### Das Phänomen brennender Totengeister am Beispiel eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 von Kurt Lussi (Luzern): Den Lebenden sind gegenüber den Toten Pflichten auferlegt. Dazu gehören das Anzünden von Lichtern, das Lesen heiliger Messen durch Priester und persönliche Gebete. Das Unterlassen guter Werke, fehlendes Gedenken und nicht erfüllte Versprechen bringen den Verstorbenen um seine ewige Ruhe. Er kehrt als arme Seele zu den Lebenden zurück, um sie an die ungeschriebenen Gesetze zu erinnern. Nicht selten erscheinen die armen Seelen als brennende Skelette oder Lichtgestalten. Anhand eines Luzerner Spukfalls aus dem Jahre 1599 wird das Phänomen der brennenden Totengeister untersucht. ### Das Menschenopfer. Zur religionswissenschaftlichen Systematik und Deutung eines ungeliebten Phänomens1 von Adelheid Herrmann-Pfandt (Marburg): Nach Darstellung einiger wichtiger Merkmale von Menschenopfern in verschiedenen Kulturen, werden Theorien zu religiös motivierter Gewalt von René Girard, Walter Burkert, Barbara Ehrenreich, Gunnar Heinsohn, und Eli Sagan diskutiert. Die Ambivalenz existenzieller Angst und der Glaube in die menschliche Allmacht werden als Ursprung für die Menschenopfer aufgezeigt. Dieses Ritual kann als archaische und weit verbreitete menschliche Erfahrung zurückverfolgt werden: Eine Gruppe, vom Raubtier angegriffen, überließ ein Mitglied dem Angreifer, um sich zu retten. Mit der Stratifizierung der Gesellschaft in der Bronzezeit wurde diese archaische Erfahrung, den Tod von einem ihrer Mitglieder in Kauf zu nehmen, um viele zu retten, in Rituale des aktiven Herbeiführens von Tod transformiert. Könige oder eine Führerschicht strebten danach, sich als unsterblich zu etablieren, indem sie rituell ihre eigene Sterblichkeit auf Opfer übertrugen. ### Menschliche „Bauopfer“. Ein archäologisch-historischer Überblick von Ines Beilke-Voigt (Berlin): Den Grundstein für ein Haus, eine Brücke oder andere Bauwerke zu legen, war schon immer eine besondere Handlung und wird bis heute als Grundsteinlegung gefeiert. Besonders bei der Grundsteinlegung öffentlicher Bauten werden diese mit der Darbringung von sog. Bauopfern begleitet, die entweder in das Fundament vermauert oder in den Grundstein eingebracht werden. Heute handelt es sich zumeist um Kassetten aus Metall (Zeitkapseln), die mit symbolischen Gegenständen gefüllt sind, wie Münzen, Urkunden oder ähnliche Zeitdokumente. Aus historischen Zeiten sind neben diesen Sachzeugnissen ebenso menschliche Skelette bezeugt, die in der Forschung zumeist eine Deutung als Bauopfer nahe legen. In vielfältigen Sagen und Legenden zu Bauwerken scheint dieser Gedanke weiter zu leben. Ein kritischer Umgang mit den Quellen soll jedoch zeigen, wie differenziert diese Befunde und die Thematik der menschlichen Bauopfer zu betrachten sind. ### Moorleichen – Straffällige, Opfer oder Bestattungen? von Sabine Eisenbeiss (Hannover): Die Fundgruppe Moorleichen wird nach ihrem derzeitigen Forschungsstand zu dem Themenkomplex „Glaube und Aberglaube“ in Beziehung gesetzt. Dazu werden zunächst drei Beispielfunde beschrieben und die in der Forschung gängigen Theorien, wie die des Unglücksfalls, des Verbrechensopfers, des sakralen Menschenopfers, der Hinrichtung, des Strafopfers und die der Sonderbestattung kurz erläutert. Unter Berücksichtigung des Forschungstands und der Relativierung früherer Ergebnisse scheint derzeit eine Deutung im Bereich des Glaubens oder Aberglaubens durchaus wahrscheinlich. Dazu bieten sich die Theorie des Menschenopfers oder – aus meiner Sicht wahrscheinlicher – die der Sonderbestattung an. ### Tod und Bestattung im frühen Mittelalter. Repräsentation, Vorstellungswelten und Variabilität am Beispiel merowingerzeitlicher Reihengräberfelder von Sebastian Brather (Freiburg i. Br.): Von Bestattungen bleiben aus archäologischer Sicht allein die Gräber. Zur Merowingerzeit finden sich sehr umfangreiche Grabausstattungen, die auf die große Bedeutung von Begräbnissen für die soziale Repräsentation in Lokalgesellschaften hinweisen. Religion und Jenseitsvorstellungen lassen sich des Weiteren erkennen, wenngleich Grabbeigaben wegen ihrer Repräsentationseigenschaften nicht als pagan anzusehen und sog. Amulette eher als magisch denn als „heidnisch“ gelten müssen. Bestattungen thematisierten sowohl die Vergangenheit der Beteiligten als auch ihre Zukunft. Vom Üblichen abweichende Gräber lassen sich überwiegend am Umgang mit dem Leichnam erkennen. Totenverbrennung, Hocker und Bauchlage kommen gelegentlich vor, ohne soziale Außenseiter vermuten zu lassen. Separiert erscheint eine Elite auf besonderen Friedhofsarealen oder in sog. Hofgrablegen. Ein „schlechter Tod“ – unzeitig, verfrüht, zu rasch, gewaltsam – dürfte der Hauptgrund für besondere Gräber gewesen sein und vielleicht zu zeitgenössischen Vermutungen über ein wenig ehrenvolles Leben des Betreffenden Anlass gegeben haben. Gemeinsames, gleichzeitiges Sterben konnte ein gemeinsames Grab zur Folge haben. Schließlich sollten auch individuelle Vorlieben als Erklärung für Abweichungen herangezogen werden. ### Sonderbestattungen im nordwestlichen slawischen Raum von Axel Pollex (Berlin): In dem Beitrag werden drei archäologische Perspektiven der Betrachtung von Sonderbestattungen – die strukturgeschichtliche, kulturanthropologische und ereignisgeschichtliche –vorgestellt und am Beispiel der nordwestslawischen Körperbestattungen erläutert. Jede Betrachtungsweise hat ihre Stärken und Schwächen. Lässt der Quellenbestand verschiedene Perspektiven zu, dann sollten diese auch alle genutzt werden. Insbesondere strukturgeschichtliche und kulturanthropologische Ansätze ergänzen und bedürfen einander. ### Hinweise auf frühmittelalterlichen „Aberglauben“? Eine Kritik am Beispiel der Altstücke im Grab von Almut Mainka-Mehling (Dresden): Altstücke (Archaika) in frühmittelalterlichen Reihengräbern werden häufig als „Amulette“ gedeutet und in Zusammenhang mit frühmittelalterlichem „Aberglauben“ gebracht. In diesem Beitrag wird gezeigt, dass mit Hilfe einer strukturierten und statistischen Betrachtungsweise modellhafte Aussagen zur Nutzung von Altstücken getroffen werden können. Aus den archäologischen Fakten – den Altstücken selbst und ihrem Kontext – lässt sich durch Analogieschlüsse zu neuzeitlichen Amuletten tatsächlich frühmittelalterlicher Amulettgebrauch ableiten, nicht aber ein wie auch immer gearteter „Aber-“ oder „Volksglauben“. Die ur- und frühgeschichtliche Glaubens- und Vorstellungswelt ist mit archäologischen Mitteln nicht rekonstruierbar, das Konzept „Aberglauben“ für diese Zeitspanne anachronistisch. ### Frühmittelalterliche Sonderbestattungen in Böhmen und Mähren. Archäologie der Randgruppen? von Ivo Štefan (Prag): Auf den frühmittelalterlichen Körpergräberfeldern (9.–12. Jh.) in Böhmen und Mähren kann neben den Bestattungen in üblicher Lage und Ausrichtung eine relativ kleine Gruppe von Bestattungen mit abweichender Ausrichtung, Totenlage oder mit Spuren von postfuneralen Eingriffen registriert werden. In der Studie werden zunächst die Interpretationsmöglichkeiten der Archäologie ohne retrospektive Analogieverfahren analysiert. Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass das Phänomen der frühmittelalterlichen Sonderbestattungen stärker mit der Sozialstruktur als mit religiösen oder Jenseitsvorstellungen zusammenhängt. In der mitteleuropäischen Forschung werden die „Sonderbestattungen“ traditionell mit Totenfurcht oder gerade mit Wiedergängervorstellungen verbunden. Diese Erklärung wird jedoch vornehmlich aus neuzeitlichen Schrift- und aus ethnographischen Quellen abgeleitet. Der Verfasser erachtet diese Kontinuität in der Interpretation als methodisch umstritten und nimmt an, dass besondere Bestattungssitten auch andere Charakteristika der Verstorbenen widerspiegeln können.### Begraben am Bach bei Zeicha: Eine frühneuzeitliche Gefäßdeponierung in Sachsen als Indikator volksmedizinischer Rituale von Christian Matthes (Berlin): In Sichtweite des kleinen Weilers Zeicha in Sachsen wurden 17 Henkeltöpfe aus dem 16. Jh. bei einer archäologischen Prospektion entdeckt. Sie reihten sich in einem nur 3 m breiten und 33 m langen Streifen parallel zu einem ehemaligen Bachlauf auf. Es handelt sich dabei offenbar um Gefäßdeponierungen in einem volksmedizinischen Zusammenhang. Deponierungen von Gefäßen waren bislang aus Süddeutschland in Kellern als Nachgeburtsbestattungen bekannt geworden. Die aufgefundenen Gefäße sind jedoch im freien Feld deponiert worden. Der Gefäßinhalt wurde bislang noch nicht naturwissenschaftlich untersucht. Daher ist nicht auszuschließen, dass es sich auch hierbei um bestattete Nachgeburten handelt. Aus der volkskundlichen Überlieferung ist aber auch das Beerdigen von Exkreten und Sekreten kranker Personen in Töpfen zu Heilzwecken bekannt. ### Der Dominikanerfriedhof in Strausberg. Sonderbestattungen, Sicheln und ihre Interpretation1 von Blandine Wittkopp (Berlin): Der im Folgenden dargestellte Klosterfriedhof der Dominikaner in Strausberg wurde im Rahmen einer bodendenkmalpflegerischen Maßnahme 2006 bis 2008 untersucht und hat zahlreiche neue Gesichtspunkte zur Thematik Totenbrauchtum, Aberglaube und vor allem den mittelalterlichen Glaubensvorstellungen geliefert. Der Fundplatz liegt in Brandenburg nur wenige Kilometer östlich der Berliner Stadtgrenze entfernt. Wie vielerorts wurde in Strausberg das Bettelordenskloster um die Mitte des 13. Jh. auf einem ehemaligen landesherrlichen Hof, hier sogar auf einem nachweisbaren Burggelände errichtet. ### Sonderbestattungen vom 10.–15. Jahrhundert in Brandenburg aus anthropologischer Sicht von Bettina Jungklaus (Berlin): Bei Ausgrabungen fallen immer wieder Gräber auf, die durch eine abweichende Behandlung der Bestatteten gekennzeichnet sind. Auf dem Gebiet des Landes Brandenburg sind Sonderbestattungen sowohl aus dem slawischen als auch aus dem christlichen Mittelalter bekannt. Beispiele dafür sind Versteinungen, eine besondere Lage oder Behandlung des Toten und Beigaben, die eine bestimmte Bedeutung im Volksbrauchtum haben, wie Sicheln und Schlüssel. Eine Beziehung zum Glauben an Wiedergänger wird diskutiert, denn solche Begräbnisse haben vermutlich mit einer Ausgrenzung des Verstorbenen aus der sozialen oder religiösen Gemeinschaft zu tun. Sie können aber auch Gründe haben, die heute nicht mehr nachzuvollziehen sind. In einigen Fällen zeigten sich Zusammenhänge zu Erkrankungen der Verstorbenen, was verdeutlicht, dass Sonderbestattungen ein klassisches Beispiel der Vernetzung zwischen Archäologie und Anthropologie sind. ### Heidnisch oder christlich? Über Deponierungen von Gefäßfragmenten in frühmittelalterlichen Gräbern West- und Süddeutschlands von Tobias Gärtner (Göttingen): Im alamannischen und fränkischen Siedlungsraum West- und Süddeutschlands finden sich Gräber des 7.–9 ./10. Jh., in deren Verfüllungen größere Fragmente von Gefäßen, teilweise mit Holzkohle vergesellschaftet, enthalten sind. Sie werden bislang als Überreste von in heidnischer Tradition stehenden Totenmählern interpretiert. Unter Berücksichtigung der Geschichte von Mission und Christianisierung und in Analogie zu hoch- und spätmittelalterlichen schriftlichen sowie archäologischen Quellen wird eine neue Deutung vorgeschlagen, bei der die Gefäßfragmente im Zusammenhang mit dem christlichen Totenritual gesehen werden. Es handelt sich um Reste von Räucherungen und vielleicht auch von Weihwasserspenden am Grab. ### Schmatzende Tote und ihre Bekämpfung in der frühen Neuzeit von Thomas Schürmann (Rosengarten): Die abgeschwächte Vampirvorstellung, nach der bestimmte Tote als Nachzehrer vom Grabe aus Lebende nachholen, indem sie an ihrem Körper oder an Textilien fressen, dürfte in Mitteleuropa bereits vor der Neuzeit verbreitet gewesen sein. Sicher bezeugt ist sie seit dem ausgehenden 15. Jh. Im Gefolge von Seuchenzügen breitete sich die Nachzehrerfurcht während des 16. Jh. vermutlich von Schlesien aus in andere Teile Deutschlands aus. In den meisten Gegenden verlor sie bald wieder an Bedeutung; in Teilen Mitteleuropas behielt sie ihren Einfluss jedoch bis ins 20. Jh. hinein. ### Teilbestattungen der Frühhunnenzeit im Minusinsker Becken. Fakten und Interpretation von Nikolaj Kuzmin (Berlin): Zwischen Mitte der 1970er und Mitte der 1990er Jahre fanden im Minusinsker Becken – eine Region von Sajan-Altaj – umfangreiche Rettungsausgrabungen von archäologischen Denkmälern im Vorfeld diverser Großbauvorhaben statt. Das Großteil der Arbeiten wurde von den Mitarbeiter der Mittelenisej Expedition der Leningrader Abteilung des Instituts für Archäologie, Akademie der Wissenschaften der UdSSR, – später: Institut für Geschichte der Materiellen Kultur der Russischen Akademie der Wissenschaften – durchgeführt, darunter auch vom Verfasser des vorliegenden Aufsatzes. Erforscht wurden hunderte von Grabdenkmälern verschiedener Epochen. Die Anzahl der erforschten Flachgräber und Kurgane der Frühen Hunnenzeit (Tes´-Kultur) hat sich somit verdreifacht. Auf Grundlage des Ausgrabungsmaterials von Flachgräberfeld beim Dorf Kaly sind vom Verfasser Teilbestattungen (partielle Bestattungen) herausgegliedert, die zwar auch früher vereinzelt erschienen, jedoch in der Forschung überwiegend als Ergebnis des Grabraubs angesehen wurden. Derartige Bestattungen konnten erst erklärt werden, nachdem der nahe gelegene Kurgan Novye Močagi vom Verfasser ausgegraben worden war. Anhand der gewonnenen Befunde wurden die Operationen rekonstruiert, die mit den Körpern der Toten im Zuge der Herstellung von Totenpuppen durchgeführt wurden, bevor sie in die Gruft gelegt wurden. Weitere komplexe Erforschungen von archäologischen Materialien unter Verwendung von ethnographischen Quellen ermöglichte es, ein höheres Niveau der Auswertung zu erreichen, was zu neuen Fragen und Problemfeldern führt. ### „Die Krone habt ihr mir bereit.“ Totenkronen als Gegenstand interdisziplinärer Forschungen von Juliane Lippok & Sylvia Müller-Pfeifruck (beide Berlin): Teil 1: Totenkronen sind eine bislang unzureichend erforschte Objektgruppe. Bisher wurden sie vorrangig von volkskundlicher Seite untersucht und als Kennzeichen des Ledigenbegräbnisses definiert. Seit den 1990er Jahren werden Totenkronen auch stärker als Gegenstand der archäologischen Forschung wahrgenommen. Der vorliegende Beitrag stellt die Ergebnisse einer ersten systematischen Erfassung und Auswertung der Totenkronen aus Grabkontexten der Bundesländer Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zusammenfassend vor. Teil 2: Der Teil 2 skizziert für die Region Berlin-Brandenburg die Entwicklung des Totenkronenbrauchs, insbesondere seiner „oberirdischen“ Denkmäler aus volkskundlicher Sicht. Die Ausführungen basieren auf Hunderten von Realien sowie zahlreichen schriftlichen, bildlichen und mündlichen Quellen, die von der Verfasserin in langjähriger Pionierarbeit erfasst und ausgewertet wurden. Punktuell erfolgt hier auch ein erster Abgleich mit den Befunden der Archäologie. ### Totgeboren, wiederbelebt und getauft: Vom „enfant sans âme“ zum „enfant du ciel“. Die mittelalterlichen Totgeburten von Oberbüren von Susi Ulrich-Bochsler (Bern): Das Kind ist ohne Taufe bedroht und bedrohlich zugleich. Bedroht, weil es im limbus puerorum keine Aussicht auf Erlösung hat; bedrohlich, weil es zu einem Wiedergänger oder schadenbringenden Wesen werden kann. Um diesen ambivalenten Status zu vermeiden, gab es im Mittelalter und in katholischen Gebieten auch noch bis weit in die Neuzeit hinein Hilfsmaßnahmen, zu denen die Wiederbelebung totgeborener Kinder an einem sanctuaire „à répit“ gehörte. Oberbüren im Kanton Bern ist wahrscheinlich die bisher einzige derartige Wallfahrtsstätte, welche archäologisch und anthropologisch umfassend untersucht werden konnte. Die Befunde an den über 250 gefundenen Kleinstkindern vermögen die spätmittelalterlichen Schriftquellen in verschiedenen Aspekten zu bestätigen. Darüber hinaus zeigen sie, was unter einer Totgeburt im Mittelalter zu verstehen ist. ### Hopfenbett und Hexenkraut. Oder: Wie christlich ist Aberglaube? von Andreas Ströbl (Kassel) & Dana Vick (Hamburg): Auch in neuzeitlichen christlichen Gräbern erscheinen immer wieder Beigaben und besondere Ausstattungen des Leichnams sowie des Sarges, was vor allem in den vergangenen Jahren bei interdisziplinären Untersuchungen in Grüften deutlich wurde. Allerdings können diese Phänomene nicht schlichtweg mit der Bezeichnung „Aberglauben“ klassifiziert werden, da eine einwandfreie Differenzierung vom Glauben nicht möglich ist. So haben Bettungen auf Hopfenblüten über einen praktischen Nutzen hinaus auch eine symbolische oder magische Bedeutung. Auch Pflanzenbeigaben – oft Kräuter, Moose und immergrüne Gewächse in Form von Kränzen oder Sträußen – wird eine besondere Bedeutung im Bestattungsbrauchtum zugewiesen. Dies gilt auch für Eier, Toilettenartikel und Bänder, die häufig über Innensärge des 18. und 19. Jh. gespannt wurden. Schließlich zeigen sich in der Zier des Sarges selbst Elemente mit eindeutigem Bezug zu Sterben, Tod und Trauer. ### Bestattung in ungeweihter Erde – Opfer des mittelalterlichen Strafvollzugs. Eine archäologisch-historische Betrachtung von Marita Genesis (Potsdam): Der Weg eines Verurteilten in Mittelalter und Neuzeit begann mit der öffentlichen Urteilsverkündung auf einem zentralen innerstädtisch gelegenen Platz, meist dem Marktplatz vor dem Rathaus. Sodann führte man den Maleficanten zur Vollstreckung auf den Richtplatz aus der Stadt hinaus. Die Art der Todesstrafe entschied über den Verbleib des Körpers nach der Vollstreckung. War eine Enthauptung oder das Ertränken angesetzt, galt dies als „ehrenhafte“ Strafe, der Delinquent konnte anschließend unter Umständen auf einem Friedhof bestattet werden. Alle anderen Todesstrafen, wie das Erhängen, Verbrennen, Rädern, Pfählen und Sieden schlossen per se eine christliche Bestattung aus, weil sie als „unehrenhaft“ galten. Die malträtierten Körper wurden oft erst nach Wochen des Zur-Schau-Stellens achtlos in den Boden der Richtstätte verlocht. Sie geben noch heute während ihrer archäologischen Erfassung ein beredtes Zeugnis des mittelalterlichen/neuzeitlichen Strafvollzugs ab. ### Der nasse Tod. Sturmflutkatastrophen, Glauben und Mentalität an der deutschen Nordseeküste (16.−19. Jh.) von Norbert Fischer (Hamburg): Der Umgang mit den Sturmfluten und ihren Folgen war in der Frühen Neuzeit von einer teils widersprüchlichen Gemengelage von religiös-spiritualistischen und technisch-pragmatischen Elementen geprägt. Das todbringende Wasser verlangte nach tröstlicher Deutung und Sinnstiftung, hielt andererseits die Betroffenen nicht von alltagspraktischem Handeln ab. Im Verlauf des 18. Jh. dominierte zunehmend die technisch-pragmatische Mentalität. Der zum Bollwerk ausgebaute, vorausberechnete Deich symbolisierte die Antwort des (staatlich-professionellen) Ingenieurs auf die Bedrohung durch die Fluten. Mentalitätshistorisch bedeutete es den tendenziellen, wenngleich teils trügerischen Verlust der Furcht vor dem Wasser.
Besonderheiten:
2. Auflage
Bestellnr.: 2-36-50-1-2
24,00 €
 
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